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Außer­ge­wöhn­li­che Zeiten erfor­dern außer­ge­wöhn­li­che Maßnahmen

12/10/2020

© En Garde

Patrick Haas hat mit der Agentur EN GARDE mit Lidl Öster­reich trotz Lock­down einen span­nen­den Kunden gewon­nen. Er spricht darüber, wie er das geschafft hat und warum er glaubt, dass Krea­ti­vi­tät in Zeiten wie diesen wich­ti­ger denn je ist.

„Eine völlig neue Erfah­rung, eine Kam­pa­gne aus dem Lock­down heraus zu ent­wi­ckeln“, sagt Patrick Haas, Geschäfts­füh­rer der Wer­be­agen­tur EN GARDE. Als Krea­tiv­agen­tur wurde EN GARDE für Lidl Öster­reich aktiv und ser­vier­te eine Image­kam­pa­gne samt TV-Spot, die zur Gänze aus dem Home­of­fice pro­du­ziert wurde.

Wie haben Sie mit Ihrer Agentur EN GARDE die Corona-Zeit bisher gemeistert?
Tur­bu­lent. Es sind ganz neue Zeiten, neue Regeln und alles ist sehr schwer planbar. Es erin­nert an eine Start-up-Men­ta­li­tät. Ich traue mich keine Pro­gno­se abzu­ge­ben, wohin das alles führt. Ich bin aber dankbar, wenn im Moment die Auf­trags­la­ge passt.

Mit welchen Her­aus­for­de­run­gen hatten Sie beson­ders zu kämpfen?
Während des ersten Lock­downs – und ich hoffe, es bleibt bei einem – sind viele Dinge abge­sagt worden. Wir haben im Vorfeld einige Pitches gewon­nen, die bestä­tigt und abge­ar­bei­tet waren – Ver­an­stal­tun­gen wurden abge­sagt und Budgets gekürzt. Da ist ein großer Brocken weg­ge­fal­len. Dann haben wir uns neu arran­gie­ren müssen. Ich würde es so for­mu­lie­ren: Wir haben uns die Arbeit dann selbst gemacht und Dinge umge­setzt, die nicht auf Gewinn aus­ge­legt waren, sondern darauf, etwas zu bewir­ken. Dadurch sind die Dinge dann ins Rollen gekommen.

Was waren das zum Bei­spiel für Arbeiten?
Die Anti-Corona-Kam­pa­gne zum Bei­spiel – eine Non-Profit-Plakat-Kam­pa­gne unter dem Motto #stayh­ap­py­stayhe­alt­hy. Weil wir einfach mit unseren Res­sour­cen was bewegen wollten. Durch diese Aktio­nen sind wieder neue Türen aufgegangen.

Wie haben Sie es geschafft, trotz Lock­down neue Kunden wie Lidl an Land zu ziehen?
Mit Lidl sind wir durch die Anti-Corona-Kam­pa­gne in Kontakt gekom­men. Dabei war es der Plan, Partner zu finden, die sich gemein­sam mit uns die Media­kos­ten teilen. Der „Ankün­der“ ist uns da sehr ent­ge­gen­ge­kom­men. Denn zu der Zeit gab es natür­lich null Außen­wer­bung und wir haben die Leer­stän­de für was Posi­ti­ves genutzt. Darauf ist Lidl auf­merk­sam gewor­den. Wir sind dann suk­zes­si­ve mit wei­te­ren Dingen gebrieft worden – es ist ein Prozess ent­stan­den. Es gab nicht wie bei einem klas­si­schen Pitch den Stich­tag X – die Kol­la­bo­ra­ti­on ist viel mehr gewach­sen. Außer­ge­wöhn­li­che Zeiten erfor­dern eben außer­ge­wöhn­li­che Maß­nah­men, wenn ich den Mar­ke­ting-Leiter von Lidl – Klaus Has­lau­er zitie­ren darf. Und seit Anfang Sep­tem­ber betreu­en wir Lidl Öster­reich jetzt als Kreativ-Agentur.

Haben sich dadurch auch Fol­ge­auf­trä­ge ergeben?
Nein. Aber es sind plötz­lich einige Par­al­lelauf­trä­ge auf uns zuge­kom­men. Es kommt mir so vor, als würde der Markt gerade wieder auf­wa­chen. Die Dinge fangen an, sich zu bewegen.

Sind die Kunden sen­si­bler bezie­hungs­wei­se vor­sich­ti­ger geworden?
Wenn man die Wirt­schaft­lich­keit sieht, ja. Aber ich spüre, dass die Leute wieder was tun wollen, was bewegen wollen, Gas geben. Und das ist auch wichtig. Unsere Branche kann jetzt viel bei­tra­gen, etwas zu ver­bes­sern. Denn jede Marke und jedes Unter­neh­men mit guten Ideen kann zur Stär­kung der Wirt­schaft bei­tra­gen. Kunden werden auch wieder mutiger.

Durch Home­of­fice und Co. – wird Online­wer­bung jetzt noch mehr an Stel­len­wert gewinnen?
Nein. Ich würde die Frage lieber anders beant­wor­ten: Ich glaube, dass die Idee und die krea­ti­ve Qua­li­tät an Stel­len­wert gewin­nen wird. Der Kanal ist immer nur Über­mitt­ler der Bot­schaft. Was man damit macht und vor allem wie man es  macht, hat viel mehr Ein­fluss auf den Effekt, den man damit erzie­len kann.

Hat sich die Wer­be­bran­che durch Corona verändert?
Ich denke, dass Corona vieles ver­än­dert hat und noch vieles ändern wird. Es beein­flusst, wie wir die Dinge sehen, welchen Stel­len­wert sie in unserem Leben haben usw. Aber das wird sich alles noch zeigen. Auch an der Art der Zusam­men­ar­beit hat sich einiges geän­dert. Wir haben durch den Lock­down gelernt, dass phy­si­sche Anwe­sen­heit nicht zwin­gend not­wen­dig sein muss, um als krea­ti­ves Team Höchst­leis­tun­gen zu erbrin­gen. So haben wir seit März auch damit
ange­fan­gen, Krea­ti­ve in Wien zu rekru­tie­ren, die aber Teil des Teams in Graz sind. Das eröff­net neue Möglichkeiten.

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