Termin

Die Zeit ist mehr als reif!

29/05/2024

© Podesser

Der Grazer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­fi Gerolf Wicher blickt auf 30 Jahre Erfah­rung in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­tung für regio­na­le, natio­na­le und inter­na­tio­na­le Nach­hal­tig­keits­kam­pa­gnen zurück. In seiner 2022 erschie­ne­nen Publi­ka­ti­on „Die Zeit ist mehr als reif!“ macht er sich Gedan­ken über nichts Gerin­ge­res als über eine bessere Welt – und wie nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten und ver­ant­wor­tungs­vol­les Mar­ke­ting dazu bei­tra­gen können. Wir haben uns vorab mit ihm unterhalten.

Alle sind auf der Suche nach Sinn – wie kann das Mar­ke­ting diese Sinn­su­che unter­stüt­zen bzw. was bedeu­tet sinn­ori­en­tier­tes Marketing?
Wir spre­chen hier vor allem über die Pro­duk­ti­on. Es geht um faire Bedin­gun­gen, um einen fairen Pro­duk­ti­ons­pro­zess, kurz gesagt, es geht um Werte, und diese Werte muss man glaub­haft kom­mu­ni­zie­ren. Das Mar­ke­ting war hier lange Zeit hinten nach und hat einigen Aufholbedarf.

Welche Kri­te­ri­en und Bau­stei­ne gibt es für sinn­ori­en­tier­tes Marketing?
An erster Stelle steht der Gedanke, gemein­sam die Welt zu ver­bes­sern. Das beginnt dabei, den Men­schen als Ganzes wahr­zu­neh­men, und reicht bis zur Umset­zung einer zukunfts­fä­hi­gen Kom­mu­ni­ka­ti­on, die effi­zi­ent, kreativ und fair ist. Fair heißt, dass die Kom­mu­ni­ka­ti­on sach­lich korrekt, frei von Dis­kri­mi­nie­run­gen, trans­pa­rent, geschlech­ter­ge­recht und res­sour­cen­scho­nend ist.

Wie wirkt sich das auf die Wirt­schaft der Zukunft aus?
Das hat natür­lich gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen, weil sich viele Geschäfts­mo­del­le ändern werden müssen. Das erzeugt auch neue Her­aus­for­de­run­gen: Eines der größten Pro­ble­me ist etwa das Green­wa­shing, weil der Grat zwi­schen Sinn­ori­en­tie­rung, fairer Kom­mu­ni­ka­ti­on und öko­no­mi­schen Erwar­tun­gen sehr schmal ist.

Das ist auch eine Frage der Haltung. Die Mar­ke­ting­bran­che in Amerika ist in manchen Feldern einen Schritt weiter. Viele ver­zich­ten frei­wil­lig darauf, für Kunden in umwelt­schäd­li­chen bzw. nicht nach­hal­ti­gen Berei­chen zu arbei­ten. Bei uns war hin­ge­gen in den letzten 10 bis 15 Jahren zu bemer­ken, dass der größte Wider­stand gegen nach­hal­ti­ge, faire Kom­mu­ni­ka­ti­on oftmals aus der eigenen Branche kommt. Es gibt also noch viel zu tun.

Was kann man selbst tun? Als Marketing-Expert:in, aber auch als Privatperson?
Agen­tu­ren werden eben­falls ihre Stra­te­gien und Geschäfts­mo­del­le über­den­ken müssen, wenn sie sich in Rich­tung Nach­hal­tig­keit wei­ter­ent­wi­ckeln möchten. Für Pri­vat­per­so­nen gibt es natür­lich eine ganze Menge an Mög­lich­kei­ten, von Haus­halt und Konsum über Mobi­li­tät bis hin zum Arbeits­platz. Dafür gibt es in der Publi­ka­ti­on auch Check­lis­ten. Und wir haben zusätz­lich die Klima Champs App ent­wi­ckelt, deren Ziel es ist, mittels Gami­fi­ca­ti­on Bewusst­sein für das Thema zu erzeu­gen. Man bekommt dabei im Rahmen von Kli­ma­schutz-Aktio­nen von Gemein­den für jede umwelt­be­wuss­te Hand­lung Punkte, mit denen man Preise gewin­nen kann. Mitt­ler­wei­le sind 30 stei­ri­sche Gemein­den Teil des Klima Champs-Netzwerks.

Wo & Wann

Café KORK, Les­sing­stra­ße 25, 8010 Graz
18.6.2024, 16:00 Uhr
Zur Anmel­dung

Vorherige | Nächste Seite › ›