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Future? – Better Future!

30/04/2021

© Miriam Raneburger

Die Krea­tiv­bran­che pendelt in der Pan­de­mie zwi­schen Depres­si­on und Eupho­rie. Viele Bran­chen erwei­sen sich aber gerade jetzt als beson­ders resi­li­ent und können ihre Stärken voll aus­spie­len. Zur Situa­ti­on in der stei­ri­schen Krea­tiv­sze­ne, zum bevor­ste­hen­den Design­mo­nat Graz und zu den Auf­ga­ben der Zukunft haben wir den Geschäfts­füh­rer der Crea­ti­ve Indus­tries Styria, Eber­hard Schrempf, zum Inter­view gebeten. 

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Krea­tiv­wirt­schaft aus?
Natür­lich sind die Aus­wir­kun­gen je nach Branche sehr unter­schied­lich. Der gesamte Event- und Ver­an­stal­tungs­be­reich ist stark betrof­fen und kämpft ums Über­le­ben. Auf der anderen Seite hat sich bei vielen gezeigt, dass sie gerade in der Krise zur Höchst­form auf­lau­fen und das tun, was sie beson­ders gut können: neue Lösun­gen für neue Her­aus­for­de­run­gen finden, etwas ent­wi­ckeln, was vorher so noch nie da war. Kurz gesagt: kreativ sein! Um einen hin­läng­lich bekann­ten Spruch abzu­än­dern: Geht’s der Wirt­schaft gut, geht’s der Krea­tiv­wirt­schaft super. Geht’s der Wirt­schaft schlecht, geht’s der Krea­tiv­wirt­schaft immer noch gut.

Wie sieht die Zukunft für beide, also für Wirt­schaft und Krea­tiv­wirt­schaft, aus?
Krea­ti­vi­tät wird noch wich­ti­ger werden, weil so ziem­lich alles neu gemacht und gedacht werden muss. Eigent­lich waren die Pläne für die Zukunft vor der Pan­de­mie ja bereits unter Dach und Fach. Man wusste, was zu tun war. Und dann wurde alles sehr schnell und radikal anders. „Rede­sign the Future“ lautet das Motto. Wir the­ma­ti­sie­ren das auch im gleich­na­mi­gen Online-Sym­po­si­um, das im Rahmen des Design­mo­nat Graz statt­fin­den wird. Dabei geht es um Umwelt und Nach­hal­tig­keit sowie Res­sour­cen­scho­nung und Kreis­lauf­wirt­schaft und was Design und Krea­ti­vi­tät dazu bei­tra­gen können.

Stich­wort Design­mo­nat Graz: Wie ist das Fes­ti­val heuer gestaltet?
Anders als früher. Inno­va­tiv wie immer. Span­nend wie nie zuvor. Es wird natür­lich kein Eröff­nungs­event geben und auch die Real-Life-Events werden selten sein, aber vir­tu­ell und online gibt es einiges zu erleben. Das über­ge­ord­ne­te Thema lautet „Better Future“, denn das wird nun einmal die vor­dring­lichs­te Aufgabe der nächs­ten Jahre sein. Was das Pro­gramm betrifft: Es kann sich bei den ein­zel­nen Pro­gramm­punk­ten immer ein biss­chen was ändern, darum ist es am besten, sich auf www.designmonat.at immer auf dem Lau­fen­den zu halten.

Welche High­lights bietet das Programm?
Mit der Aus­stel­lung „Fan­tastic Plastic“ bespie­len wir das ehe­ma­li­ge Schuh­ge­schäft in der Her­ren­gas­se. Dort wird auch die Zen­tra­le des Design­mo­nat Graz sein. Auf drei Etagen behan­deln wir das Thema „Better Future“. Im Zentrum steht dabei der Umgang mit Plastik: Die Aus­stel­lung zeigt, wie aus altem Plastik ein neuer Roh­stoff  wird. In der Tief­ga­ra­ge am Andreas Hofer Platz zeigen wir die Poster-Aus­stel­lung „4th Block“ aus Kiew – sie wirft einen kri­ti­schen Blick auf die öko­lo­gi­schen, sozia­len und kul­tu­rel­len Her­aus­for­de­run­gen der Welt. Im design­fo­rum Stei­er­mark prä­sen­tiert die Self­Sight­See­ing Company anhand der Gestal­tung des neuen Merkur Head­quar­ters in Graz in ihrer Aus­stel­lung, wie Nach­hal­tig­keit im Inte­rior Design glaub­wür­dig gelebt werden kann. Es gibt auch einiges im öffent­li­chen Raum: Vier Park­lets – also kon­sum­freie Begeg­nungs­zo­nen – werden als Pro­to­ty­pen in der Stadt instal­liert, wir haben den Klima-Kultur-Pavil­lon von Breathe Earth Collec­ti­ve am Frei­heits­platz ins Pro­gramm auf­ge­nom­men. Das alles wird ergänzt durch viele kleine Mikro­for­ma­te, Pod­casts und geführ­te Touren, die wir „30 WAYS TO A BETTER FUTURE“ nennen. Je nach Mög­lich­keit werden diese „30 WAYS“ analog oder digital ange­bo­ten. Und natür­lich das bewähr­te Format „Design in the City“, bei dem Desi­gne­rIn­nen ihre Pro­duk­te in Zusam­men­ar­beit mit rund 30 desi­gnaf­fi­nen Shops in der UNESCO City of Design prä­sen­tie­ren. Es warten noch viele weitere Ver­an­stal­tun­gen, nicht nur in Graz, sondern auch in den Regio­nen, etwa in Weiz, in Kirch­berg an der Raab, auf Schloss Hol­len­egg bei Schwan­berg oder auf der Teichalm.

2021 feiert Graz den zehnten Jah­res­tag der Ernen­nung als UNESCO City of Design. Wie hat die Aus­zeich­nung die krea­ti­ve Szene in Graz und in der Stei­er­mark verändert?
Man ist selbst­be­wuss­ter gewor­den, weil die Sicht­bar­keit gestie­gen ist. Design und Krea­ti­vi­tät haben einen Stel­len­wert bekom­men, den sie vorher nicht gehabt haben. Als Crea­ti­ve Indus­tries Styria ist es unsere Aufgabe, für diese Sicht­bar­keit zu sorgen und die Krea­tiv­be­trie­be wei­ter­hin mit der klas­si­schen Wirt­schaft zu ver­net­zen. Das trägt nach 10 Jahren Früchte. Dank des inter­na­tio­na­len Netz­werks, in dem wir uns als UNESCO City of Design befin­den, können wir hei­mi­sche Unter­neh­men auch inter­na­tio­nal ver­net­zen und damit Graz und die Stei­er­mark als Hotspot positionieren.

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