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Kal­ku­lie­ren – aber richtig: Von Nut­zungs- und Bearbeitungsrechten

13/04/2021

© Lupi Spuma

h + © (+br) – was auf den ersten Blick an den Che­mie­un­ter­richt erin­nern mag, ist die Dau­men­re­gel für Kal­ku­la­tio­nen in der Krea­tiv­wirt­schaft. Was es dabei zu beach­ten gilt, erklärt Severin Filek, Geschäfts­füh­rer von desi­gnaus­tria, im Interview.

Wofür steht die Formel „h + ©“?
Jedes Gestal­tungs­ho­no­rar im krea­tiv­wirt­schaft­li­chen Bereich besteht aus zwei Teilen: Dem Leis­tungs­ho­no­rar und einem Nut­zungs­recht­an­teil. Zwei­te­res erwirbt der Auf­trag­ge­ber, wenn das Projekt umge­setzt wird. Es dürfen dann also bei­spiels­wei­se 100.000 Stück eines Folders gedruckt werden, wenn die Nut­zungs­rech­te erwor­ben wurden. Die dahin­ter­lie­gen­den Daten bleiben aber immer im Besitz des Urhebers.

Diese Formel kann dann noch durch „br“ erwei­tert werden?
Genau, Urheber können neben dem Arbeits­ho­no­rar und dem Nut­zungs­recht auch noch aus dem Bear­bei­tungs­recht finan­zi­el­len Nutzen ziehen. Für einen zusätz­li­chen Auf­schlag über­gibt man also die offenen Daten. Dann darf der Kunde diese ver­wen­den und vor allem ver­än­dern, also bear­bei­ten. Als Gestal­ter hat man dann kein Mit­spra­che­recht mehr.

Wie viel können Agen­tu­ren für das Bear­bei­tungs­recht verlangen?
Dafür gibt es unter­schied­li­che Ansätze. In Öster­reich wird viel­fach das Fak­to­ren­sys­tem nach Fried­rich Eisen­men­ger für die Kal­ku­la­ti­on genutzt. Für ver­schie­de­ne Leis­tun­gen werden unter­schied­li­che Fak­to­ren zur Ver­rech­nung her­an­ge­zo­gen, die zwi­schen 0,5 und 2 liegen. Das Bear­bei­tungs­recht ist da ein Aus­rei­ßer und mit dem Faktor 3 zu verrechnen.

Was kann man sich konkret unter diesen Fak­to­ren vorstellen?
Aus­ge­gan­gen wird immer von der Arbeits­zeit, die mit dem Faktor mul­ti­pli­ziert wird. Agen­tu­ren haben einen Stun­den­satz für Krea­tiv­leis­tun­gen. Wird ein Plakat erstellt und dieses nur in Graz ver­öf­fent­licht, wird für die Nut­zungs­rech­te bei­spiels­wei­se der Faktor 0,5 der Arbeits­leis­tung ver­rech­net. Wird das Plakat aller­dings in der ganzen Stei­er­mark ver­wen­det, wird der Faktor 0,75 ange­wen­det, für ganz Öster­reich der Faktor 1 und so weiter. Wichtig ist, dass die Berech­nung jeder­zeit nach­voll­zieh­bar ist.

Der Auf­schlag für das Bear­bei­tungs­recht ist im Ver­gleich zum Nut­zungs­recht also sehr hoch. Wie recht­fer­tigt man das gegen­über dem Kunden?
Um das zu beant­wor­ten, sollte man sich die Frage stellen, warum der Auf­trag­ge­ber unein­ge­schränk­te Rechte haben will. Oft wollen Kunden die Daten intern bear­bei­ten oder zu güns­ti­ge­ren Agen­tu­ren wech­seln. Grund­sätz­lich ist es am ein­fachs­ten, solche Even­tua­li­tä­ten von Anfang an klar­zu­stel­len. Viele Agen­tu­ren haben AGBs, in denen fest­ge­hal­ten wird, dass die Daten beim Urheber bleiben.

Aber wer liest schon AGBs?
Nicht jeder, aber Ange­bo­te schon. Jede Agentur kann darin die Gestal­tungs­leis­tung anbie­ten mit einem Stun­den­satz als Krea­tiv­stun­de, dann Kor­rek­tur­stun­den zu einem ver­bil­lig­ten Satz und dann zusätz­lich zwei oder drei Optio­nen bzgl. der Nut­zungs­rech­te und even­tu­ell sofern gewünscht auch Bear­bei­tungs­rech­te berück­sich­ti­gen, also Über­ga­be der offenen Daten.

Was emp­feh­len Sie Agen­tu­ren, die unsi­cher sind, wie sie richtig kalkulieren?
Oft werden im Krea­tiv­be­reich ver­kaufs­tech­ni­sche Maß­nah­men außer Acht gelas­sen. Deshalb mein Plä­doy­er an alle: Es zahlt sich aus, in Work­shops, Schu­lun­gen etc. zu inves­tie­ren und sich mit Kol­le­gen aus­zu­tau­schen. Ich kann auch das Hand­buch „Design: Auftrag & Recht“ bzw. „Design: Kal­ku­la­ti­on & Honorar“ empfehlen.

 

Mit­glie­der der stei­ri­schen Fach­grup­pe Werbung und Markt­kom­mu­ni­ka­ti­on erhal­ten auf die Publi­ka­ti­on “Design: Kal­ku­la­ti­on & Honorar”, 104 Seiten, ISBN 3–900364-47–2 (unter service@designaustria.at erhält­lich) bis 5.5.2021 50 % Rabatt.

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