“Raste dich nicht auf deinem Erfolg aus”

29/09/2021

© EuroSkills 2021

 

Es ist schon beein­dru­ckend: Über 400 Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer aus 31 Mit­glieds­län­dern in 38 Berufen oder anders gesagt – EuroSkills 2021 in Graz. Im Schwarzl Frei­zeit­zen­trum rit­ter­te der beste Nach­wuchs um Medail­len. Einer davon ist Martin Straif aus Tirol. Der 24-Jährige stieg in den Ring beim Gra­fik­de­sign-Bewerb und hat der Kon­kur­renz ein klares Knock-out ver­passt. Jetzt kann er sich Euro­pa­meis­ter in seinem Beruf nennen, der für ihn auch Beru­fung ist. Straif ist bereits Art Direc­tor in der Tiroler Agentur North­light und hat mit seinem Team noch große Ziele vor Augen.

Du hast den Gra­fik­be­werb bei den EuroSkills 2021 in Graz gewon­nen. Wie fühlt man sich als frisch­ge­ba­cke­ner Euro­pa­meis­ter in deinem Beruf?
Martin Straif: Gut, die ersten Stunden nach dem Feiern sind gut über­stan­den. Ich bin aber schon wieder in Tirol. Denn viel Zeit zum Über­le­gen bleibt eigent­lich nicht, da bei uns in der Agentur viel zu tun ist und ich noch einige Termine habe. Aber in der Wer­be­bran­che weiß man, dass dieser Erfolg auch was wert ist.

Welche Arbeit hast du abge­lie­fert und was waren die Her­aus­for­de­run­gen dabei?
Grund­sätz­lich geht der Bewerb über drei Tage, von der Früh bis am Abend – also wirk­li­che Arbeits­ta­ge. In der Früh gibt es, wie im Berufs­all­tag, ein Brie­fing, das kurz bespro­chen wird. Am Tag hat man dann für die Umset­zung Zeit. Wir haben jeden Tag ein eigenes Projekt bekom­men und die Auf­ga­ben spannen sich vom Logo­de­sign über Bro­schü­ren und Web­sei­ten bis hin zu Ver­pa­ckungs­de­sign – eigent­lich aus jeder Dis­zi­plin des Gra­fik­de­signs. Das muss man dann tech­nisch sowie gestal­te­risch so gut wie möglich umsetzen.

Was ist dir dabei beson­ders leichtgefallen?
Ganz leicht­ge­fal­len ist glaube ich keinem was. Es lastet auf jedem ein enormer Zeit­druck, weil unglaub­lich viel Arbeit in sehr kurzer Zeit zu bewäl­ti­gen ist. Also nur zur Vor­stel­lung: Am Tag eins haben wir in sechs­ein­halb Stunden ein Logo, eine Ani­ma­ti­on, ein Con­fe­rence Panel und eine Ver­pa­ckung machen müssen. Man hat den ganzen Tag einen Voll­stress. Aber grund­sätz­lich sehe ich mich als All­roun­der im Gra­fik­de­sign und mir liegen die Skills im Bereich Logo, Web­de­sign oder Bro­schü­ren sehr gut. Da bin ich daheim.

Man kann also sagen, du kannst unter Stress recht gut funktionieren.
(Lacht) Also das kann man wirk­lich sagen. Stress­re­sis­tenz ist das Ulti­ma­ti­ve, was man beim Bewerb bewei­sen muss.

Du hast bereits bei einigen Wett­be­wer­ben abge­räumt: den Tiro­lis­si­mo Junior Award 2016, Gold bei den Aus­tri­anS­kills 2018 und Silber bei den WorldS­kills in Kazan 2019. Was ist dein Geheim­re­zept für deinen Erfolg?
(Lacht wieder) Dass man den Ehrgeiz hat und sich nie auf einem Erfolg aus­ras­tet und dass man sofort das nächste Ziel im Auge hat, gleich anfängt sich wei­ter­zu­bil­den und sich zu ver­bes­sern. Wir haben auch gerade erfah­ren, dass wir als Agentur für den dies­jäh­ri­gen Tiro­lis­si­mo wieder nomi­niert sind. Es geht gleich weiter. Wir lassen nichts anbren­nen – auch als Agentur nicht.

Was unter­schei­det deiner Meinung nach ein schlech­tes von einem wirk­lich guten Design?
Das finde ich schwie­rig. Oft kann man das nicht an bestimm­ten Kri­te­ri­en fest­ma­chen. Beim Wett­be­werb ist zu 40 Prozent die tech­ni­sche Rich­tig­keit aus­schlag­ge­bend. Also, dass alles für den Druck richtig ange­legt ist, dass die Farb­pro­fi­le für die gewähl­ten Papiere zusam­men­pas­sen. Wenn das nicht stimmt, kann ich mich gar nicht auf das Design kon­zen­trie­ren. Es ist auch wichtig, dass man nicht nur was Schönes gestal­tet, sondern auch die Ziel­grup­pe richtig anspricht und was macht, das funk­tio­niert und ein Problem richtig löst.

Woher nimmst Du die Inspi­ra­ti­on für Deine Designs?
Grund­sätz­lich bin ich der Meinung, Krea­ti­vi­tät ist eine Trai­nings­sa­che. Je mehr man damit zu tun hat, desto schnel­ler kann man Sachen abruf­bar machen. Beim Wett­be­werb hast du natür­lich auch nicht die Mög­lich­keit, kurz einen Spa­zier­gang zu machen oder mich von anderen Sachen inspi­rie­ren zu lassen, um auf eine Idee zu kommen. Da muss es wirk­lich aus dem Nichts ent­ste­hen. Wenn man sich aber an die Vor­ga­ben wie Ziel­grup­pe und Ziel des ganzen Pro­jekts hält, ent­steht durch die Ein­schrän­kung Krea­tri­vi­tät und es können gute Ideen entstehen.

Martin Straif ist in zehn Jahren …
(Lacht erneut) Schwie­rig. Zehn Jahre voraus trau ich mich nicht zu denken. Ich ver­su­che an den nächs­ten Schritt zu denken und nicht an den Weg.

Der nächste Schritt ist also?
Als Agentur und mit meinem Team erfolg­reich zu sein und als Gemein­schaft große Ziele zu erreichen.

Vielen Dank für das Interview.

Vorherige | Nächste Seite › ›