Fachgruppe

Wenn aus einer Schneeraupe eine Zeitungsente wird.

28/09/2020

© Adobe Stock

Andrea Pavlovec-Meixner ist im Fachgruppenausschuss der WKO Steiermark und zusätzlich im Beirat des Ethik-Rats für Public Relations aktiv. Im Interview erklärt uns die PR-Expertin die Grenzen zwischen Fake News und guter Öffentlichkeitsarbeit. 

Eine Schneeraupe wird mit dem LKW nach Seefeld gebracht. Blöd nur, dass es sich um einen Schleswig-Holsteiner Ortsteil mit demselben Namen handelt und nicht um das Tiroler Skigebiet. Eine Verwechslung um 800 Kilometer. Und ein gefundenes Fressen für die Medien. Egal ob Social Media, TV oder Print – bald wussten fast alle in Österreich und Deutschland vom Hoppala. Nur - das Hoppala war in Wahrheit gar keins, sondern die ganze Aktion inszeniert. Nach dem Aufdecken rechtfertigt sich der Auftraggeber der Kampagne damit, dass niemand zu Schaden gekommen ist. „So einfach ist das aber nicht“, sagt Andrea Pavlovec-Meixner.

Frau Pavlovec-Meixner, warum sind Aktionen wie die obige nicht OK?
Unsere Branche beruft sich auf den sogenannten Athener Codex. Dieser besagt, dass wir PR-Expertinnen und Experten bei jeder Gelegenheit loyal handeln, um das Vertrauen der Auftraggeberinnen und Auftraggeber sowie jenes des jeweiligen Publikums zu bewahren. Grundsätzlich geht es bei PR darum, dass wir uns der Gesellschaft gegenüber verantwortlich fühlen und dementsprechend handeln. Ziel einer guten PR-Arbeit ist, eine gute Geschichte zu finden und nicht zu erfinden.

Das Beispiel mit der Schneeraupe ist eindeutig, meistens sind die Abgrenzungen zwischen Fake News und nachhaltiger PR aber nicht so klar.
Genau, deshalb kommen wir vom Beirat des Ethik-Rats für Public Relations auch nicht als Moralapostel mit dem Zeigefinger daher. Aber die Grundlage jeder guten PR-Arbeit ist nun Mal die gründliche Recherche. Darauf basiert die PR-Konzeption: bestes Wissen und Gewissen. Und natürlich kann es sich später auch herausstellen, dass eine Aktion nicht ganz korrekt war.

Und was dann?
Dann muss ich zumindest für mich ehrlich sagen können, dass ich mit dem damaligen Wissen richtig gehandelt habe. Es geht hier ja um die Reputation der eigenen Agentur. Der Schaden einer solchen Juxkampagne ist größer als der Nutzen – bei der Kundin oder dem Kunden und auch bei mir in der Agentur.

Sie sprechen hier wahrscheinlich rechtliche Aspekte an.
Genau. Wir haben im Beirat überprüft, welche Gesetze bei Social-Media-Kampagnen berücksichtigt werden müssen. Und das ist einiges - vom Zivilrecht über Urheberrecht bis zum Datenschutz und mehr. Man kann schneller vor dem Richter stehen, als einem lieb ist!

Apropos Social Media – gehören vor allem Betreiberinnen und Betreiber von Blogs sowie Influencerinnen und Influencer zu den schwarzen Schafen?
Nein, ich möchte auf keinen Fall alle über einen Kamm scheren. Einigen ist nicht bewusst, dass sie Produkte, die sie für Geld bewerben, auch als Anzeige kennzeichnen müssen. Wir bemühen uns als Fachgruppe das in der Ausbildung zu thematisieren und halten uns an den Kodex des Österreichischen Ethik-Rats für Public Relations „Ethik in der Digitalen Kommunikation“ (Link zum Kodex: http://www.prethikrat.at/wordpress_dev/wp-content/uploads/Kodex_Digitale_Kommunikation_2_Auflage.pdf).

Kann man ethisch einwandfreie PR überhaupt in der Praxis umsetzen?
Ja natürlich! Ich war in der Jury zum Staatspreis für PR. Jedes einzelne eingereichte Projekt wurde auf rechtliche und ethische Grundlagen überprüft. Und noch eins: Freue dich auf die Finalistinnen und Finalisten des PR-Panther - du wirst staunen, wie pfiffig nachhaltige PR ist.

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