Fachgruppe

Parallelwelten in der Kreativbranche auflösen

16/01/2020

© Lunghammer

Was müssen die Kommunikationsprofis selbst stärker kommunizieren? Und was hat Pizza mit Potenzialen zu tun? Von A wie Ausschuss bis V wie Vlogger – der neue Fachgruppenobmann Thomas Zenz im Gespräch.

Das neue Jahr startet meist mit Vorsätzen. Gibt es die auch für den neuen FG-Obmann?
Ich bin ja nicht so der Mann der großen Vorsätze. Was ich mir aber schon vornehme ist, weiterhin Spaß am tagtäglichen Tun haben und andere damit anstecken. Und je mehr da mitmachen, umso leichter wird es übrigens.

Wird man den neuen Obmann „spüren“, was ist seine Aufgabe?
Lassen wir die Kirche im Dorf: Die Rolle eines „Obmanns“ hat in weiten Bereichen eine überschaubare Außenwirkung, also wird die Spürbarkeit immer sehr subjektiv in der KollegInnenschaft sein. Was ich mir zur Aufgabe mache ist, dass wir als Branchenvertretung wie wir UnternehmerInnen agieren: lösungsorientiert, durch positive Zugänge und ambitioniert. In der Kommunikation müssen wir als Kreative beim Kunden als ExpertInnen wahrgenommen werden. Die Diskussion über das „100 Euro Logo aus dem Internet“ darf gar nicht erst aufkommen, da wir treffsichere und individuelle Spitzenleistungen erbringen. Wir werden in Zukunft stärker zeigen, in wie vielen Bereichen unsere Expertise weit über das „Standardniveau“ der „hausgemachten“ Kommunikation hinausgeht.

Ein anderes Thema wird die Öffnung der Fachgruppe. Ich möchte laufend die Einbindung von BranchenexpertenInnen außerhalb der Ausschussmitglieder vorantreiben. Im Ausschuss sitzen ausgezeichnete und hoch professionelle Kreative, die exzellente Arbeit leisten. Aber guter Input von außen tut immer gut. Thematische „Think-tanks“ können hier ein Instrument sein, aber auch öffentliche Arbeitssitzungen. Alle Anregungen sind im Fachgruppenbüro herzlich willkommen!

 Mit welchen Fragen kann man sich an den Obmann und sein Team wenden?
Das ist ein weiter Bogen. Wir haben im Büro der Fachgruppe in den vergangenen Jahren über 15.000 Anfragen aus der Branche erhalten, sowohl von FreelancerInnen, als auch von „großen“ Agenturen. Das reicht vom Gewerbe- oder Arbeitsrecht, über Datenschutz  bis hin zu Fördermöglichkeiten. Wir werden in Zukunft diese Anfragen vermehrt als Input der Branche sehen, welche Infos gebraucht werden. Gerade sind wir dabei, einen Redaktionsplan für den Newsletter und die Website zu entwickeln, der möglichst viele dieser Fragen beantwortet.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden gesetzt?
Da gibt es ein dringendes Betätigungsfeld in der Kommunikation. Ich fasse es einmal so zusammen: Wir müssen spürbar machen, dass „FreelancerInnen“, Blogger, Vlogger, Influencer, Designer etc. keine unheimliche, nicht greifbare Spezies sind, sondern Teil der Kreativbranche. Im Gegenspiel dazu müssen wir auch vom Eindruck loskommen, die Wirtschaftskammer mit ihren FunktionärInnen sei eine eigene Welt. Diese beiden – zurzeit noch „Parallelwelten“- haben ein gemeinsames Ziel: Wir leisten interdisziplinäre Kreativarbeit in Top-Qualität und müssen das noch besser zeigen. Denn Leistung muss abgegolten werden. Da ist beispielsweise die Meinungsbildung bei öffentlichen AuftraggeberInnen dramatisch zu ändern, um vom gelebten „Billigstbieter“- hin zum „Bestbieter“-Prinzip zu kommen.

Wie muss sich die PR- und Werbebranche derzeit aufstellen?
Weiterentwicklungen haben uns in der Werbebranche immer geholfen. Die in den vergangenen Jahren entstandenen Möglichkeiten für unsere Branche sind unglaublich. Man könnte sich beinahe ständig als Agentur neu erfinden und auf neue Schwerpunkte setzen. Wichtig dabei ist, die Grundregeln der Kommunikation weiterhin zu beachten, und sich nicht treiben zu lassen.

Wo liegen Potenziale? Was macht man in anderen Ländern besser als bei uns?
Italiener machen die bessere Pizza.

Was soll am Ende des Jahres in der persönlichen Bilanz stehen?
Dass ich ein paar Menschen mitreißen konnte.

Wordrap:
Die WK-Wahlen …muss man nutzen
Werbung ist … spannendes Arbeitsfeld.
Ich kommuniziere …manchmal ein bisserl viel.
Mein Motto … auch wenn nicht immer alles lustig ist, ist das kein Grund sich zu ernst zu nehmen.

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