barrierefreie websites

Was haben Unternehmen im Bereich Werbung und Marktkommunikation beim Behindertengleichstellungs-Gesetz zu beachten?

Nach dem E-Governmentgesetz ist der Bund verpflichtet, behördliche Internetauftritte seit 2008 so zu gestalten, dass der barrierefrei Zugang für behinderte Menschen zum Web möglich ist. Für den privatwirtschaftlichen Bereich regelt das Bundes-Behindertengesetz die generelle Gleichstellung von Personen mit körperlicher, geistiger und psychischer Behinderung oder Beeinträchtigung von Sinnesfunktionen. Behinderungen sollen keine Benachteiligung beim öffentlichen Zugang zu Waren, Dienstleistungen und Informationen erfahren. Grundsätzlich sind Websites so zu gestalten, dass Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen selbständig auf Websites navigieren können.

Barrierefreies Web

Sämtliche Informationen und Serviceangebote auf Websites oder Webshops, die öffentlich zugänglich sind, stehen unter Diskriminierungsschutz. Menschen mit Sehbehinderungen, hörbehinderte und motorisch eingeschränkte Personen können im Web auf folgende Wahrnehmungsprobleme, Verständnisprobleme bzw. Zugriffsprobleme treffen:

  • Ungenügende Farbkontraste
  • Fehlende Skalierbarkeit
  • Fehlende Textalternativen
  • Keine Navigationshilfen
  • Komplexer Satzaufbau
  • Zu kurze Timeouts
  • Keine Bedienung mit der Tastatur

Barrierefreie Angebote: Größere Reichweite und bessere Erreichbarkeit der Zielgruppe

Ein barrierefreier Internetauftritt verbessert die Reichweite und erhöht die Anzahl potentieller Benutzer. Die einwandfreie Darstellung einer Website mit universellem Design auf unterschiedlichen Browsern und Endgeräten wird besser gewährleistet. Der Wartungsaufwand für etwaige Sonderlösungen dadurch wird minimiert bzw. entfällt. Auch bei der Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist ein barrierefreier Online-Auftritt ein wichtiges Kriterium.

Checkliste für barrierefreie Websites

Es gibt keine verbindlichen Standards oder Regelungen darüber, was Websites erfüllen müssen. Eine Website hat dem Stand der Technik, unter Einsatz der bestmöglichen Methodik, zu entsprechen und dabei ein barrierefreies Design aufzuweisen. 100% Barrierefreiheit gibt es auch im Internet nicht, da unterschiedliche Formen der Beeinträchtigung existieren. Eine konkrete und allgemein gültige Musterlösung, wie die Darstellung von Inhalten zu erfolgen hat, gibt es daher nicht. Vielmehr ist im Einzelfall die Umsetzbarkeit der Techniken zur Sicherstellung der entsprechenden Grundsätze bzw. Richtlinien zu prüfen:

  • Für jeden Nicht-Text-Inhalt sind Text-Alternativen bereitzustellen, so dass er in eine andere von Menschen erforderliche Form (Großschrift, Braille, Sprache, Symbole, einfachere Sprache) geändert werden kann
  • Für zeitgesteuerte Medien (Audio- und Videodateien) sind Alternativen bereitzustellen
  • Inhalte sind so zu gestalten, dass diese auf verschiedene Weise ohne Verlust an Information oder Struktur (wie einfacheres Layout) präsentiert werden können
  • Erleichtertes sehen und hören der Inhalte, einschließlich des Vorder- und Hintergrunds, für die Nutzer soll ermöglicht werden
  • Das Ausführen aller Funktionalitäten per Tastatur ist sicherzustellen
  • Nutzer sollen ausreichend Zeit haben, um Inhalte zu lesen und zu verwenden
  • Inhalte sind so zu gestalten, dass keine epileptischen Anfälle ausgelöst werden
  • Orientierungs- und Navigationshilfen sowie Hilfen beim Auffinden von Inhalten sind bereitzustellen
  • Texte sind lesbar und verständlich zu gestalten
  • Websites sind so zu gestalten, dass Darstellung und Funktionsweise voraussagbar sind
  • Zur Vermeidung und Korrektur von Fehlern sind unterstützende Funktionen bereitzustellen
  • Die Kompatibilität mit Benutzeragenten einschließlich assistierender Technologien ist sicherzustellen

Beim Erstellen wie Prüfen von Websites empfiehlt es sich, die Betroffenheit von Menschen mit Behinderungen miteinzubeziehen - sich in deren Lage versetzen, wo entstehen Barrieren. In der Praxis wird empfohlen, die Homepage von Personen mit Behinderungen testen zu lassen. Hilfestellung in der Praxis leisten diesbezüglich auch die Behindertenverbände.